| Ein Störschneider aus Lam beobachtete auf einem seiner Störplätze, wo er für
eine Weile gegen Unterkunft, Kost und geringen Lohn sein Handwerk ausübte, wie
die Bäuerin sich abends ihre Füße mit einer Salbe einrieb und dabei ein Sprüchlein
murmelte. Dann hob sie beide Hände, sprach „Oben aus und nirgends an“ und flog
durch das offene Fenster auf und davon wie ein Vogel.
Der Schneider dachte bei sich: Probieren geht über studieren! Auch er rieb seine
Füße mit der Salbe, die noch am Fensterbrett stand, ein und murmelte „Oben aus
und überall an“, denn so richtig hatte er das Gemurmel nicht verstanden. Sogleich
flog auch er zum Fenster hinaus. Da warteten schon ein gutes Dutzend Frauen auf
ihn. Die nahmen ihn in die Mitte und flogen mit ihm davon. Während die Hexen die
Luftreise aber ohne Schaden überstanden, ging es dem Schneider schlecht. Überall
stieß er an, mal an Hausgiebel, mal an Bäume usw.
Schließlich erreichte die Gesellschaft ihr Ziel, einen bekannten Weinkeller.
Da ging es nun lustig zu, Musikanten spielten, es wurde getrunken und getanzt
und gelacht. Der Schneider fühlte sich aber zu zerschlagen, um dabei mit zu machen.
Als der Morgen graute, verschwand die ganze Gesellschaft. Der Schneider aber wußte
kein Sprücherl für seinen Rückflug.
So fand ihn schließlich der Kellermeister. Der Schneider wurde des schon lange
festgestellten Weindiebstahls bezichtigt, man brachte ihn ins Gefängnis und verurteilte
ihn wenig später zum Tod durch den Strang. Allzu große Neugierde ist halt nicht
gut und führt ins Verderben! |