| Vor langer Zeit eilte ein fahrender Sänger in Richtung Rimbach, weil er dem schönen
Burgfräulein von Lichtenegg seine Weisen vorsingen und vorspielen wollte. Ganz
in Gedanken an das Kommende, stürzte er plötzlich in eine Wolfsgrube. Damals hob
man noch tiefe Gruben aus und deckte sie ab, um sich mit einer derartigen Falle
der wilden Tiere zu erwehren. Der Sänger saß noch nicht lange in der Falle, als
auch einem Wolf das gleiche Mißgeschick passierte und die Bestie ebenfalls in
die Grube stürzte.
Der Musikant glaubte schon, daß sein letztes Stündlein geschlagen habe, denn
der Wolf stürzte sich wütend auf ihn. Der Sänger hatte aber inzwischen seine Geige
hervorgezogen und begann zu spielen. Fasziniert hörte der Wolf zu. Sobald das
Instrument verstummte, wurde die Bestie wieder wild und unberechenbar. Und so
spielte der Geiger Stunde um Stunde. Inzwischen waren schon einige Saiten gerissen
und er hatte Blasen an den Händen. Was, wenn auch die letzte Saite reißen sollte?
Inzwischen war die Nacht fast vorüber und ein Jäger auf seinem frühen Pirschgang
hörte die seltsamen Töne. Er folgte ihrem Klang, fand den Spielmann und rettete
ihn aus einer mißlichen Lage. Die Wiese, auf der sich diese Begebenheit zutrug,
nennt man seitdem die „Geigenwiese“. |