| In alter Zeit war der Osser ein dreigipfeliger Bergstock. Auf jedem Gipfel stand
eine stolze Ritterburg. Einer der Burgherren hatte eine schöne Tochter, die die
beiden anderen Burgherren gerne zur Frau hätten. Das Edelfräulein entschied sich
schließlich für jenen Ritter, der ihr durch sein Verhalten zu seinen Untergebenen
wesentlich mehr vertrauenswürdig erschien. Darüber war der dritte Ritter, ein
wüster und ungestümer Mann, sehr erbost. In hellem Zorn schimpfte und wetterte
er gegen das Edelfräulein und sogar gegen den Herrgott.
Wenig später zog ein schweres Gewitter über das Land. Ein fürchterliches Hagelwetter
mit Sturm und Blitz und Donner ließ die Menschen erschauern. Als es endlich vorüber
war, sah man vom dritten Ossergipfel nichts mehr. Er war mitsamt der Burg und
ihrem wütenden Besitzer von der Erde verschlungen worden. Die Schätze, die der
Burgherr besaß, sind noch heute tief im Berg vergraben. |