| Früher breiteten sich im Gebiet des heutigen südlichen Bayerischen Waldes dichte,
weglosen Wälder aus, in denen sich gar oft Reisende verirrten. Um ihnen zu helfen,
gab man ihnen von einer Ortschaft aus ein Zeichen, indem stündlich die große Glocke
auf einem hohen Turm geläutet wurde. Verirrte konnten dadurch die Richtung bestimmen,
in die sie sich halten mußten. Die, die noch auf dem richtigen Weg waren, sollte
das Läuten mahnen, auf der Hut zu sein. Deshalb nannte man die kleine Ortschaft
bald Hutthurm.
Die Hutthurmer Glocke hatte einen so gewaltigen Ton, daß sie weit und breit alle
anderen Glocken übertraf, sogar die Passauer Domglocken. Sie klang schließlich
mit der Glocke im weit entfernten, tschechischen Prachatitz zusammen und so mancher
Reisende verdankte dem Geläut sein Leben.
Den Passauer Domherren paßte es aber ganz und gar nicht, daß die Hutthurmer Glocke
so weit ins Land schallte. Der Fürstbischof ordnete deshalb eines Tages an, sie
wegzuschaffen. Die Glocke war aber so schwer, daß man sie nicht abnehmen und transportieren
konnte. Um wenigstens den Klang zu dämpfen erging dann der Befehl, daß die Hutthurmer
einen Nagel in die Glocke schlagen. Und das geschah dann auch. |