| Während des Dreißigjährigen Krieges haben die Schweden in der Freyunger Gegend
böse gewütet. Ein junger Hirte aus Kreuzberg bei Freyung hat in einem Nachbardorf
das Morden und Brandschatzen beobachten können und ist gerannt, so schnell er
konnte, um die Menschen in seinem Dorf zu warnen.
Die Kreuzberger haben rasch ihre bewegliche Habe zusammengepackt und sind in
die Wälder geflüchtet. Als die schwedischen Reiter auftauchten, war nur noch das
Bildnis der hl. Mutter Anna in der Kapelle am Bründl. In einem unbeobachteten
Augenblick nahm es ein beherzter Hütebub an sich und rannte damit fort.
Nach stundenlanger Flucht kam er auf eine Lichtung. Dort wurde zur winterlichen
Wildfütterung Hafer angebaut. Deshalb hieß der Platz auch Haberreith. Der Junge
glaubte sich und das Bild nun in Sicherheit, er rastete eine Weile und mag wohl
darüber eingeschlafen sein.
Später machte er sich auf den Rückweg nach Kreuzberg. Dort gab es aber keine
Hofstätten mehr, nur noch rauchende Trümmerhaufen. Lediglich die Kapelle war unberührt.
Darinnen aber stand das Bildnis, das der Junge mit eigenen Händen in Sicherheit
gebracht hatte.
Seit der geheimnisvollen Rückkehr des Bildnisses der hl. Mutter Anna an ihren
angestammten Platz heißt der Ort, wohin das Bild zur Sicherheit gebracht werden
sollte, Annathal. |