| Auf dem wunderschönen Aussichtspunkt der Zellerhöh stand in alter Zeit ein ungewöhnlich
großer Birnbaum. Sein Stamm war längst hohl, aber er trug weit und breit die besten
Birnen. Derer wurde aber niemand habhaft, denn im Stamm hauste ein grausliger
Drache, der die ganze Gegend in Angst und Schrecken versetzte und auch die Birnen
alle fraß.
Die Jahre vergingen. Schließlich wuchs ein junger Mann heran, der rundum sehr
beliebt war. Er hatte Mut wie sonst keiner. Eines Tages sah man ihn am Dengelstein
seines Vaters sitzen und sehr sorgsam eine Sense bearbeiten. Haarscharf war die
Schneide, als der junge Mann seine Arbeit beendet hatte.
Am nächsten Morgen war der Jüngling sehr früh auf den Beinen. Er schlich zum
Birnbaum auf der Höh und wartete, bis der Drachen sich zu einem seiner Raubzüge
davontrollte. Vor dem Abend, das wußte er, würde das Ungeheuer nicht zurückkehren.
Mit großer Geschicklichkeit platzierte der Jüngling seine Sense so in dem hohlen
Stamm, daß die Schneide nach oben zeigte, aber von keiner Stelle aus einsehbar
war. Er verkeilte das messerscharfe Blatt so weit unten im Stamm, daß ja kein
Lichtstrahl darauf fiel, der durch Blinken auf die Gefahr aufmerksam machen hätte
können. Und er achtete sehr darauf, daß das Sensenblatt nicht abrutschen konnte,
sondern ganz fest saß.
Als es schon fast Nacht war, kam der Drache zurück. Er hatte wohl einen guten
Tag gehabt, denn er fuhr nun mit großem Schwung in die Baumhöhle. Dabei zerschnitt
er sich so heftig, daß er verblutete. Die ganze Umgebung freute sich sehr, als
man das tote Untier fand. Der junge Mann wurde als Held gefeiert. |