| Früher gab es im Bayerischen Wald viele Mühlen. Die kleineren mit nur einem Mühlgang
waren kaum rentabel. So hat sich einmal ein Müller mit dem Teufel eingelassen,
damit er künftig sein Auskommen habe. Der Teufel versprach ihm, eine neue Mühle
zu bauen, mit der er viel Geld verdienen werde. Als Gegenleistung verlangte er,
daß der Müller jede Woche ein Goldstück aus seinem Verdienst in einen Stiefel
lege. Wenn der Stiefel voll sei, wollte der Teufel das Gold samt der Müllersseele
holen.
Tatsächlich stand bald eine neue Mühle neben der kleinen alten und die Geschäfte
gingen gut. Das Korn, das die Bauern brachten, wurde mit dem neuen Werk viel ergiebiger
ausgemahlen und dem Müller mit seiner Familie ging es bestens. Jede Woche legte
der Mann auch brav ein Goldstück in einen Stiefel. Den hatte der Müller ganz sorgfältig
ausgesucht: Die Sohle des Stiefels war gänzlich durchgelaufen, so daß die Goldstücke
immer wieder herausfielen und der Stiefel nie voll wurde.
Jedes Jahr schaute der Teufel einmal beim Müller vorbei. Als er endlich merkte,
daß er hinters Licht geführt worden war, wurde er so zornig, daß er auf der Stelle
die Mühle zerstörte. Dem Müller selbst konnte er nicht an, denn er durfte ihn
ja nur zusammen mit dem Stiefel voll Gold holen. Der Müller aber hatte bestens
gewirtschaftet und kam nun auch ohne die Teufelsmühle aus. |