| Im Waldgebirge gab es einst viele Burgen. Bei Freyung standen Burg Wildenstein
und Burg Puchberg. Beide wurden von Rittern und deren Familien bewohnt. Einem
Ritter wurde eines Tages ein Töchterchen geboren, das zu ganz besonderer Schönheit
heranwuchs. Ein böses Weib aber verfluchte die Schönheit und verzauberte das Mädchen.
Niemand entdeckte mehr eine Spur von ihm.
Eines Tages war ein junger Jäger in der Buchberger Leite auf der Jagd. Er war
schon geraume Zeit unterwegs, der Tag war heiß und der junge Mann wurde müde.
So legte er sich einfach auf ein weiches Moospolster neben einem Felsblock und
schlief augenblicklich ein.
Natürlich hatte auch der Jäger schon von dem sagenhaft schönen, verschwundenen
Mädchen gehört. Nun erschien es ihm im Traum und flüsterte ihm zu: "Oh, du junger
Jäger, du könntest mich endlich erlösen! Gut hundert Jahre muß ich hier nun schon
versteinert schlafen. Komm doch morgen ganz früh hier her und tue einfach, was
dir gesagt wird. Es wird dein Schaden nicht sein!"
Da wachte der Jäger auf und sah sich um. Das Fräulein aber war nirgendwo zu sehen.
Dem Burschen wollte sein Traum nicht mehr aus dem Kopf gehen. So verließ er am
nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe sein Haus und waanderte hinunter in die
Buchberger Leite. Er fand die Raststelle vom Vortag sofort. Im Moos saß jetzt
eine Natter. Sie trug eine winzige Krone auf dem Kopf, sah ihn an und wisperte:
"Küß mich!"
Da packte den jungen Jäger das Grauen und er lief schreiend davon. Auch die Schlange
schrie jämmerlich und verschwand in der Steinwand. Dieses Geschrei wurde zum doppelten
Echo in der Buchberger Leite. Das verzauberte Burgfräulein hat seitdem niemand
mehr gesehen. |